Lücke geschlossen!

Mit der Verkehrsfreigabe der Nordumgehung Bad Oeynhausen ist die Lücke in einer wichtigen Ost-West-Achse von besonderer europäischer Bedeutung geschlossen.

A 30: Feierliche Verkehrsfreigabe der Nordumgehung Bad Oeynhausen –

Bad Oeynhausen/Bielefeld. Was haben neun Ampeln mit der Freigabe eines neuen Autobahnabschnittes zu tun? Mit der Fertigstellung der A30 – der Nordumgehung Bad Oeynhausen – fallen diese letzten „Lichtsignalanlagen“ zwischen Rotterdam und Warschau weg. Die Lücke in einer wichtigen Ost-West-Achse von besonderer europäischer Bedeutung ist geschlossen. Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst und Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek haben das 9,5 Kilometer lange Teilstück heute feierlich freigegeben.

Mehr Verkehrssicherheit

Entlastung für die Kurstadt und weniger Zeitverlust für den überregionalen Verkehr – diese beiden Ziele werden mit dem Lückenschluss erreicht. „Mit diesem A30-Teilstück schaffen wir eine durchgehende Verbindung von den Häfen an der Nordsee bis in den osteuropäischen Raum“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Enak Ferlemann, bei der feierlichen Freigabe. „Der Lückenschluss steigert die Verkehrssicherheit, senkt die Reisezeit – und stärkt die Route nachhaltig. Gerade mit Blick auf die EU-Osterweiterung und den zunehmenden Warenaustausch.“

Gewinn für die Kurstadt

Am meisten dürften aber die Menschen in Bad Oeynhausen aufatmen. Jedes vierte Fahrzeug, das bislang über die B61 den Ort querte, war ein LKW. „Generationen von Autofahrern und Anwohnern haben sich geärgert“, so NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst. „Die Nordumgehung wird die Lebensqualität in der Stadt deutlich erhöhen und die Menschen entlasten. Sie ist auch ein Gewinn für Bad Oeynhausen als Kurstadt.“
Nicht nur die 1968 vierspurig ausgebaute Kanalstraße und Mindener Straße (B61) wird künftig weit weniger Verkehr aufnehmen müssen, auch parallel verlaufende städtische Straßen werden entlastet. Mehr als 56.000 Fahrzeuge täglich, so die Verkehrsprognose, würden sich ohne Umgehung im Jahr 2020 durch die Stadt quälen. Mit dem A30-Neubau reduziert sich dieser Verkehr um etwa die Hälfte. Der gleichzeitige Neubau des Autobahnzubringers B61n im Ortsteil Dehme unterstützt die Entlastungswirkung im innerstädtischen Straßennetz. Insgesamt hat der Bund in diese Maßnahmen mehr als 230 Millionen Euro investiert.

Kiebitz und Flussregenpfeifer

Für den Bau der Nordumgehung Bad Oeynhausen wurde viel bewegt: 1,4 Millionen Kubikmeter Boden, soviel wie in 100.000 LKW-Ladungen passt, haben Bagger und Radlader geschoben und geschaufelt. Allein 17.000 Lkw-Ladungen Schotter liegen unter den Fahrbahnen. Die neu gebaute Straßenfläche – dazu gehören auch zehn Kilometer verlegte örtliche Straßen sowie zwei Kilometer neu gebaute B61 – umfasst 53 Fußballfelder (367.000 Quadratmeter). Wer so viel baut, muss die entsprechenden Eingriffe in Natur und Landschaft ausgleichen. 137 Hektar Ausgleichsflächen wurden gestaltet. „Allein 1500 Hochstämme und über 100.000 Gehölze haben wir neu gepflanzt“, sieht Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek den Landesbetrieb beim Thema Ökologie gut aufgestellt. „In dem um 10 Hektar ausgebauten Naturschutzgebiet Blutwiese sind zudem wieder Kiebitz und Flussregenpfeifer heimisch, sowie einige Rote-Liste-Pflanzen wie das niedrige Fingerkraut. Das einzig bekannte Vorkommen im Weserbergland.“
Bürgerinnen und Bürger, aber auch Fachleute und Studenten, haben die A30-Baustellen in der Vergangenheit regelmäßig besucht. Besondere Aufmerksamkeit haben dabei der Tunnelbau und die beiden Schrägseilbrücken auf sich gezogen. Bereits Ende 2012 konnte Straßen.NRW die 1000. Besucherin auf der Baustelle begrüßen, bis zur Fertigstellung in diesem Herbst kamen schließlich über 2000 Menschen, um sich vor Ort über den Fortgang der Arbeiten zu informieren.
Mit der feierlichen Freigabe kann der Verkehr auf der A30 nicht gleich fließen. Erst am Sonntag (9.12.) – weil dann weniger Fahrzeuge unterwegs sind – wird die Fahrtrichtung Osnabrück geöffnet. In Fahrtrichtung Hannover muss im Löhner Kreuz noch die Verkehrssicherung umgebaut werden. Hier kann der Verkehr erst gut 14 Tage später rollen.