Ein Eis wird die Milch nicht retten

Das neue Eis soll zukünftig viele begeisterte Bio-Fans in das Eicafé Cortina locken.

Das neue Eis soll zukünftig viele begeisterte Bio-Fans in das Eicafé Cortina locken.

„Wir melken uns selbst die Preise kaputt“

Lemgo. Gerade lud der BUND, Ortsverband Lemgo, ins Eiscafé Cortina in der Breiten Straße ein. Dort gibt es neuerdings auch Eis aus Bio-Vollmilch im Sortiment. Die Milch stammt nicht nur aus ökologischer Haltung, sondern quasi auch direkt aus der Nachbarschaft, der Molkerei der Stiftung Eben-Ezer in Lemgo. Neben der Qualität neuer Eissorten soll der Konsument so ganz nebenbei damit auch auf die Problemtik der deutschen Milchbauern aufmerksam gemacht werden. Das Preisdumping bei der Milch, angeheizt immer wieder von den führenden Discountern Aldi, Lidl & Co, bedroht viele Existenzen der heimischen Landwirte. Es ist zu befürchten, dass noch vor Jahresende jeder zehnte Hof schließen wird.

Es gibt die vieldiskutierte Überproduktion von Milch und Molkereiprodukten. Der Handel importiert in Mengen aus Polen, Irland und Holland. Und auch der Export läuft wegen dem russichen Embargo und einer sinkenden Nachfrage aus China nicht mehr wie gewünscht. Bis Ende März 2015 gab es in Deutschland noch die sogenannte Milchquote, die geregelt hat, wieviele Kühe ein Milchbauer maximal halten darf. Diese Quote wurde abgeschafft, seitdem können die Landwirte, sofern sie denn genügend Geld haben, beliebig viele Kühe anschaffen und jede Menge Milch produzieren. Wer sich das nicht leisten kann oder leisten will, meist die kleineren Bauern, geht reihenweise pleite und die Betriebe müssen schliessen. So kommt es, dass es immer weniger Milchviehhalter, aber trotzdem immer mehr Milch auf dem Markt gibt.

Die Molkerei der Stiftung Eben Ezer ist auch ein Teil von Lippe Qualität.

Die Molkerei der Stiftung Eben Ezer ist auch ein Teil von Lippe Qualität.

Durch diese Überproduktion fallen die Preise drastisch, so dass ein Liter Milch dem Erzeuger nur noch rund 20 Cent pro Liter einbringt – 35 Cent wären mindestens für ein ordentliches Wirtschaften nötig. Selbst ein Milchgipfel aus Bundesregierung, Lebensmittelhandel und Verbänden mit 100 Millionen hilft da nicht wirklich weiter. Diese Summe bringt pro Kuh und Jahr 22 Euro Entlastung. Bei den Unterhaltskosten von rund 3.500 Euro und dem aktuellem Verlust von 1.500 Euro Verlust pro Kuh ist das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. So ein bis zu 700 Kilo schweres Tier verputzt am Tag 50 Kilo Futter und trinkt über 100 Liter Wasser.

Aber es geht auch anders: Die Molkerei der Stiftung Eben Ezer ist seit 1999 ein Biobetrieb mit rund 70 Kühen. Die lokale Herkunft und ökologische Haltung kommen gut bei den Kunden an und jährlich steigt die Nachfrage, so Albrecht Flake, Leiter des Grünen Bereichs der Werkstätten Eben-Ezer.
Zwar gibt eine Bio-Kuh nur rund 6.500 Liter Milch im Jahr (eine Kuh aus normaler Haltung bringt etwa 10.000 Liter jährlich), aber der Erlös der Bauern pro Liter liegt bei etwa 49 Cent. Ein Bio-Milchbauer erhält also mehr Geld für ein besseres Produkt.

Warum also springen nicht mehr Betriebe mit auf den Öko-Zug auf? Die Antwort liegt auf der Hand: Ein Betrieb, der auf Bio-Milch umsteigt, muss die Haltung und Fütterung der Tiere umstellen um die Qualität gewährleisten zu können. Durch diese Umstellung geben die Kühe weniger Milch – und das wird Bauern mit einem durchschnittlichen Kapital schnell zum Verhängnis. Zwar bringt die Bio-Milch mehr Geld ein, das aber erst nach zwei Jahren. Denn so lange dauert die amtliche Umstellungsfrist, was bedeutet, dass der Bauer die ersten zwei Jahre lang seine Milch unter dem alten Namen und zu den alten Preisen verkaufen muss, obwohl die Kosten zwei lange Jahre lang erheblich gestiegen sind. Da sieht Willi Hennebrüder vom BUND-Lemgo das Problem. „Würden alle Bauern auf Bio-Milcherzeugung umstellen, wäre das Mengenproblem auf dem deutschen Markt gelöst“, ist er überzeugt. Daher fordert er Zuschüsse für Bauern innerhalb der ersten zwei Jahren nach der Umstellung, damit diese sich im Endeffekt für den Landwirt lohnt. Statt ihn zu ruinieren.